Deutscher Holzbaupreis 2021 ist vergeben

Staatssekretärin Bohle gratuliert den Preisträgerinnen und Preisträgern

Unter Schirmherrschaft des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat verlieh Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister am 28. September in Hannover den Deutschen Holzbaupreis 2021. In diesem Jahr hatte eine Fachjury unter Leitung von Prof. Andreas Krawczyk 260 Arbeiten zu bewerten, die von anspruchsvollen Neubauten über erfinderische Gebäude­sanierungen bis zu neuen Entwicklungen auf dem Produktsektor reichten. Auffallend war, dass erstmals eine nennenswerte Gruppe von Einreichungen die Etablierung des mehrgeschossigen Holzhausbaus belegt. Die Jury zeichnete nach zweitägiger Sitzung vier Projekte mit einem Preis aus und sprach acht weiteren Bauwerken Anerkennungen zu.

Ein Preis wird dem Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Stadt München für die Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park in München verliehen. Sie ist mit 570 Wohnungen die größte zusammen­hängende Holzbausiedlung Deutschlands. Die Stadt München knüpfte die Vergabe von Grundstücken an ökologische und soziale Ziele. Deshalb würdigt die Jury das Zusammenspiel aller Akteure und Faktoren, die diese Mustersiedlung zu dem machen, was heute international auf großes Interesse stößt. Ein bemerkenswerter Prozess, der als Vorbild für weitere Vorhaben in Deutschland dienen soll.

Einen weiteren Preis erhielt der Neubau eines Hotels in Ludwigsburg der Architekten VON M aus Stuttgart. Das Gebäude überzeugt durch seine prägnante Fassadengestaltung und das äußerst nachhaltige Konstruktionsprinzip in Holzmodulbauweise. Die bis in den Innenausbau vorgefertigten containerartigen Raummodule erbrachten eine schnelle Bauzeit und ein sehr wirtschaftliches Konstruktionsprinzip. Im Gegensatz zum äußeren Erscheinungsbild  sind die Holzmodule im Inneren des Hotels deutlich spürbar und verleihen den Zimmern eine warme Atmosphäre.

In der Kategorie „Bauen im Bestand“ wurden zwei sehr unterschiedliche Gebäude ausgezeichnet. Den Architekten Sauerbruch Hutton ist es gelungen, einen Plattenbau von 1987 in Berlin Mitte einer neuen Qualität zuzuführen. Der unveränderte Altbau wurde um ein Gebäude erweitert und um zwei Etagen so aufgestockt, dass das Ensemble neue urbane Qualität erfährt. Während des Schulbetriebs montierte man vorfabrizierte Wand- und Deckenteile sowie für eine zweigeschossige Aula eine sehr einprägsame Konstruktion aus BS-Holz-Rahmen. Besonders verblüffend: Die Kupferverkleidung der Dachaufbauten harmoniert sehr gut mit der Riemchen-Fassade des Altbaus.

Auch der Wiederaufbau der durch einen Brand zerstörten Kirche St. Martha in Nürnberg ist einzigartig. Hier gelang Florian Nagler Architekten eine Synthese aus Stein und Holz, die beide Werkstoffe in handwerklicher Präzision und sensibler Detaillierung miteinander verwebt. Ein feingliedriges Holzflechtwerk aus Weißtanne mit absorbierenden Flächen in Decken- und Wandbereichen verleiht dem Kirchenraum ornamentale Kraft sowie akustische Qualitäten. Im Zusammenspiel zwischen der Rekonstruktion ihrer historischen Außenkontur mit einer zeitgenössischen Neuinterpretation der Innenraumgestaltung entfaltet die Kirche eine subtile Transformation.

Der Holzbaupreis wird alle zwei Jahre im Namen des INFORMATIONSDIENST HOLZ von Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister in Zusammenarbeit mit allen wichtigen Vereinigungen der Forst- und Holzwirtschaft organisiert. Die Preisverleihung fand im Rahmen des LIGNA.Innovation Network, einem digitalen Messeformat für die internationale holzverarbeitende Industrie, statt.

Metropolitan School Berlin, Sauerbruch Hutton Architekten (© Jan Bitter)

Neubau eines Hotels in Ludwigsburg, VON M Architekten Stuttgart (© Brigida Gonzales)

Ökologische Mustersiedlung im Prinz-Eugen-Park in München, Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Stadt München (© Peter Villain)

Kirche St. Martha in Nürnberg, Florian Nagler Architekten (© Sebastian Schels)