Wohnungsneubau leidet unter Fachkräftemangel

Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen im Wohnungssektor öffnet sich immer weiter

Der Wohnungsneubau in Deutschland boomt weiter, doch können nicht alle Vorhaben umgestezt werden. Laut einer Studie von KfW Research der Kreditanstalt für Wiederaufbau liegt das an einem Mangel von Fachkräften im Baugewerbe.

Nach 285.000 neuen Wohnungen 2017 dürften im laufenden Jahr 300.000 Wohnungen fertiggestellt werden, wie KfW Research in einer aktuellen Analyse zum deutschen Immobilienmarkt schätzt. Das wären so viele wie seit der Jahrtausendwende nicht. Damit bleibt die Zahl der neu errichteten Wohnungen allerdings nach wie vor weit hinter dem Bedarf zurück, der vom anhaltenden Trend zur Urbanisierung und der Zuwanderung getrieben wird. Um Wohnungsengpässe zu beheben, wären bis 2020 jährlich 350.000 bis 400.00 Baufertigstellungen nötig.

Die wichtigste Ursache für die zu geringe Anzahl neuer Wohnungen liegt nicht an zu wenigen Bauwilligen oder gar an zu langsamen Genehmigungsprozessen der Kommunen. Im Gegenteil: Die Zahl der Baugenehmigungen steigt angesichts des günstigen Finanzierungsumfelds weiter und dürfte bis Jahresende die Marke von 350.000 erreichen. Vielmehr hapert es an der Umsetzung bewilligter Bauvorhaben.

In den vergangenen zehn Jahren habe sich die Schere zwischen Baugenehmigungen und Baufertigstellungen im Wohnungssektor laut KfW Research immer weiter geöffnet. Aktuell warteten in Deutschland 653.000 genehmigte Wohnungsneubauten auf Umsetzung - mit steigender Tendenz.

Die Gründe für den hohen Bauüberhang sind laut Studie vielschichtig: Gerade im Mietswohnungsbau dauere etwa die Fertigstellung oftmals länger als zwei bis drei Jahre. Auch sei davon auszugehen, dass einige Bauherren den Baubeginn nach Genehmigung verzögerten, weil sie auf steigende Mieten und Immobilienpreise in der Zukunft oder auf künftig wieder niedrige Baukosten setzten. Eine ganz zentrale Rolle spielten aber Kapazitätsengpässe in der Bauwirtschaft - und zwar zunehmend ausgelöst durch Fachkräftemangel.

Das Bauhauptgewerbe (z.B. Hochbauunternehmen) konnte die Baunachfrage bisher aufgrund der Zuwanderung ausländischer Fachkräfte befriedigen. Jeder sechste Mitarbeiter in diesem Wirtschaftszweig stammt mittlerweile aus dem Ausland. Im Ausbaugewerbe bestehen jedoch Engpässe hinsichtlich qualifizierter Mitarbeiter.

Im Klempner-, Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk habe sich das Fachkräfteangebot im vergangenen Jahr weiter verknappt, wie die hohe Zahl und die lange Dauer offen gemeldeter Stellen bei der Bundesarbeitsagentur zeige. Vor allem Meister seien schwer zu bekommen, aber zunehmend auch andere Fachkräfte des Bauhandwerks. Der Fachkräftemangel werde allmählich zum größten Risiko für eine Ausweitung der Bautätigkeit in Deutschland, so die KfW.

Der Mangel an Fachkräften hemmt den Baufortschritt in Deutschland.
(Foto: Informationsdienst Holz)