Ausgewählte Bauten

Fuß- und Radwegbrücke Neckartenzlingen
72654 Neckartenzlingen

Die Gemeinde Neckartenzlingen plante zur Verbesserung der Linienführung und der baulichen Situation des Neckartalradweges im Bereich der Tübinger Straße (B297) und der Neckarbrücke (L1208 b) den Neubau einer Radwegbrücke über den Neckar. Mit einer Breite von 3,00 m bietet sie ausreichend Platz für Fußgänger und Radfahrer und orientiert sich mit einem S-förmigen Grundriss an dem anschließenden Wegeverlauf. Die Belastung wird mit 5,0kN/m² entsprechend der DIN 1991-2 angesetzt. Die Anwesenheit von Fahrzeugen ist ausgeschlossen.

Die Brücke spannt als Balken aus Brettschichtholz über drei Felder mit Spannweiten von 25,65m / 44,50m / 25,65 und folgt im Grundriss einer S-Form. Das mittlere Feld verläuft gerade in einem Winkel von 85 gon über den Neckar. Die beiden Vorlandbereiche sind im Grundriss gebogen und folgen einem Radius von ca. 65,25m. Auf der östlichen Flussseite verläuft der Bogen nach Norden, auf der westlichen nach Süden. Auf diese Weise wird der Verlauf der Zuwegung in der Grundrissform berücksichtigt.

Für eine effiziente Materialausnutzung stuft sich der Querschnitt entsprechend der Beanspruchung ab. Dadurch ergibt sich über den Pfeilern die größte Querschnittshöhe mit 2,08 m. An den Widerlagern und in Brückenmitte ist der Querschnitt mit 0,80 m Höhe am kleinsten. Durch diese Konzeption ergeben sich dynamische Ansichtsflächen und der Freibord wird in Flussmitte größten.

Die Brückenpfeiler aus Beton sind in der Ansicht quer zur Brücke nach unten verjüngt, um die dynamische Anpassung des Querschnitts aufzunehmen. In Brückenachse weiten sich die Pfeiler entgegengesetzt zur Brückenansicht nach unten hin auf.

Der Brückenentwurf ist als geschützte Holzbrücke gemäß DIN EN 1995-2/NA konzipiert worden, um eine Gleichwertigkeit im Hinblick auf die Dauerhaftigkeit zu den Werkstoffen Stahl und Beton zu garantieren.

Die Basis der Konstruktion ist durch ein einfaches durchlaufenden dreifeldrigen Gerberträger definiert, der im Bereich der großen Stützmomente über den Pfeilern in der Querschnittshöhe angepasst ist. Die gestalterisch markante Querschnittsaufweitung orientiert sich mit der gestuften Ausformung rein der Statik - und dem optimierten Produktionsprozess von blockverleimten Holzträgern. Denn für die Herstellung werden Brettschichtholzträger mit abnehmendem Querschnitt einfach liegend aufeinander geleimt.

Eine Anlehnung an historische Holz-Kragarmbrücken wurde hierbei durchaus angestrebt. Bei diesem Brückentyp sind -Blattfedern ähnelnd - verschiedene Tragglieder am Auflagerpunkt additiv aufgeschichtet. Zum Ende des jeweiligen Kragarms reduziert sich die Anzahl der Tragglieder, so dass gestalterisch eine Verschlankung zur Feldmitte hin resultiert.

Zur Übertragung des statischen Systems in gut zu fertigende Bauelemente mit kostengünstigen Stoßverbindungen erwies sich die Wahl von Gerbergelenkstößen als zielführend: Im Bereich des mittleren Hauptfeldes wurden in den Zonen der Biegemomenten-Nulldurchgänge gelenkige Stöße vorgesehen. Dadurch ergeben sich jeweils ein Vorlandfeld mit Kragarm mit je ca. 36 m Länge sowie ein Mittel-Einhängeträger mit ca. 24m Länge.

Der Kurvenbereich erzeugt durch die Außermitte bezogen auf die Lagerpunkte Torsionsmomente, die an den Zwischenunterstützungen durch eingespannte Stahlprofile aufgenommen werden. An den Widerlagern sind ebenfalls torsionssteife Lager ausgebildet. Die Einspannprofile übertragen nur Trorsionsmomente und Horizontallasten quer zur Brückenachse. Um eine zwängungsfreie Verdrehung um die Y-Achse sicherzustellen wurden Gleitlager auf den Flanschen der Stahlprofile angeordnet. Die Vertikallasten werden über mit Vollgewindeschrauben verstärkte Auflagerbereiche in Elastomerlager übertragen. Die Kopplung der beiden nebeneinanderliegenden Blockträger erfolgt über Querschotts, die mit Vollgewindeschrauben angeschlossen sind.

Die Ausführung der Fundamente erfolgte in üblicher, konventioneller Bauweise. Die Zwischenpfeiler sind flachgegründet auf dem Neckarkies aufgesetzt, und wurden während der Bauzeit mit wasserdichten Stahlspundwänden relativ hochwassersicher (Wandhöhe an HQ5-Linie orientiert) verbaut. Hierbei ist kritisch anzumerken, dass ein höherer Hochwasserschutz während der Bauzeit, wie er beispielsweise von der Bauversicherung gefordert wurde (HQ10), schlichtweg nicht mehr praktikabel gewesen wäre. Zu hohe Spundwände hätten das Hineingreifen des Schaufelbaggers in die Baugrube unmöglich gemacht. Ein eigenverantwortliches umsichtiges Baustellenmanagement der Baufirma durch Erstellung eines Hochwassermaßnahmenplans in Abhängigkeit von bestimmten Wasserpegeln hat dieses Dilemma schließlich praxisnah gelöst.

Da für die Endwiderlager der tragfähige Baugrund erst recht tief bei ca. 8-12 m ansteht, wurde eine Bohrpfahlausbildung vorgesehen. Jeweils drei Bohrpfähle mit 88 cm Durchmesser wurden zur Abtragung der Vertikal- und Horizontalkräfte eingesetzt. Die Pfahllängen variieren dabei von 14 bis 18 m. Oberseitig sind die Bohrpfähle mit Stahlbetonplatte - der Pfahlkopfplatte - verbunden, die mit den Kammerwänden den Abschluss der Brücke bilden. Die Kombination von Bohrpfahlgründung (Widerlager) und Flachgründung (Zwischenpfeiler) ist wegen unterschiedlichem Setzungsverhalten nur dann problemlos möglich, wenn es sich um ein Setzungsunempfindliches System handelt. Da der Überbau durch die Gerberstöße an zwei Punkten gelenkig ausgebildet und somit statisch bestimmt ist, kann dieses System als Setzungsunempfindlich eingestuft werden.Den Abschluss bilden zwei Rampen mit 12 bzw. 20 m Länge, die auf einer Seite mit trogartigen Stützbauwerken aus Stahlbeton eingefasst ist.

Adresse
Verbindung zwischen "In der Steige" und B297
72654 Neckartenzlingen

Bundesland
Baden-Württemberg

Bauherrin
Gemeinde Neckartenzlingen
Planstraße 9
72654 Neckartenzlingen

Architekt
Ingenieurbüro Miebach
Haus Sülz 7
53797 Lohmar
www.ib-miebach.de

Tragwerksplaner
Ingenieurbüro Miebach
Haus Sülz 7
53797 Lohmar
www.ib-miebach.de

Bauausführung
Gottlob Brodbeck GmbH & Co. KG (Generalunternehmer)
Straßen-und Ingenieurbau
Maienwaldstraße 25
D-72555 Metzingen
www.g-brodbeck.de

Schaffitzel Holzindustrie GmbH + Co. KG (Holzbau)
Herdweg 23-24
74523 Schwäbisch Hall
www.schaffitzel.de

Baujahr
2017

Auszeichnungen
Publikumspreis Kommunalwettbewerb HolzProKlima 2018

Ansprechpartner
Frank Miebach
Ingenieurbüro Miebach, Lohmar
www.ib-miebach.de
Tel: 02205/904480
info(at)ib-miebach(dot)de

Fotograf
Ingenieurbüro Miebach
Burkhard Walther

Gebäudeart
Radwegbrücke, Neubau

Bauweise
Balkenbrücke, Dreifeldriges Durchlauftragwerk

Objektdaten
Gesamtlänge 96,31 m
Stützweiten ca. 25,5 m / 44,5 m / 25,5 m
Nutzbreite 3 m

Konstruktion
Haupttragwerk bestehend aus im Grundriss gebogenen und im Querschnitt sowie der Ansicht gestuft blockverleimten Brettschichtholz-Trägern.
Geländer mit horizontalen Edelstahlseilen und Handlauf aus acetyliertem Brettschichtholz.
Brückenbelag aus großformatigen, beschichteten Betonfertigteilen.

Technische Ausstattung
Monitoringsystem zur Überwachung der Holzfeuchte

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