Ausgewählte Bauten

Wohnungsbau St. Gallen
CH-9014 St. Gallen

Wie baut man, wenn das Grundstück unmittelbar an ein Naturschutzgebiet angrenzt? Mit dieser Fragestellung haben sich die Schweizer Architekten Forrer Stieger bei der Planung des Mehrfamilienhauses Kräzern in St. Gallen intensiv auseinandergesetzt. Das Ergebnis ist ein Holzelementbau, der das Thema Nachhaltigkeit konsequent bis ins Detail spielt und als eines der ersten Gebäude in der Schweiz nach dem neuen Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS realisiert wurde.

Für den Geschosswohnungsbau am Naturschutzgebiet Bildweiher wurde ein in die Jahre gekommenes Mehrfamilienhaus abgerissen. Aufgrund der leichten Hanglage und für den Bau einer Tiefgarage wurden Unter- und Sockelgeschoss in Stahlbeton errichtet. Die vier oberen Geschosse sind in Holzelementbauweise errichtet. Der Baustoff Holz überzeugte Bauherr und Architekten aufgrund seiner positiven Eigenschaften in Bezug auf Raumklima, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit sowie seiner natürlichen Anmutung. Im Vordergrund der nachhaltigen Planung stand, ein qualitativ hochwertiges Gebäude mit langer Lebensdauer zu errichten.

Hier knüpft der neue Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS an, der möglichst umfassend die Dimensionen Gesellschaft, Wirtschaft und Umwelt umfasst. So wurde bei der Planung des Mehrfamilienhauses nicht nur darauf geachtet, den Energieverbrauch maximal zu reduzieren, sondern es wurde ebenso berücksichtigt, wie sich das Gebäude in seine Umwelt einfügt oder wie viel Mobilität das Gebäude in seinem Umfeld verursacht.

Ein weiteres Argument für den Werkstoff Holz war der hohe Vorfertigungsgrad der Holzelemente und damit eine kurze Bauzeit. Insgesamt wurden 243 Tonnen Holz verbaut. Das Mehrfamilienhaus besteht aus zwei leicht versetzten Baukörpern mit je fünf Geschossen und insgesamt 28 Wohnungen.

Ein zentrales gestalterisches Anliegen der Architekten war es, eine ruhige und optisch-homogene Wirkung von Tragwerk, Wand- und Deckenelementen zu erzielen. So bestehen Böden und Decken aus multifunktionalen Lignatur-Flächenelementen. Zum Einsatz kamen Lignatur silence12-Elemente mit einer Bauhöhe von 180 Millimetern. Die lasierten Holzdecken mit hochwertiger Oberflächenqualität erfüllen mit einem Feuerwiderstand von 60 Minuten die hohen Brandschutzanforderungen von mehrgeschossigen Holzbauten; zudem gewährleisten sie einen optimalen Schallschutz im Gebäude.

Als weiterer Vorteil der Lignatur-Deckenelemente erwies sich ihre kompakte Bauweise: Aufgrund der eingeschränkten Gebäudehöhe mussten Deckenkonstruktion und -aufbau möglichst schlank realisiert werden. Nur in der Optik bzw. Ausführung unterscheiden sich Decken und Böden: Im Sockelgeschoss sowie im 1. und 2. OG wurden dunkle Mosaik-Plattenböden sowie Eichenparkett mit weiß lasierten Lignatur-Holzdecken kombiniert. Im 3. OG und Attikageschoss sorgen helle Mosaik-Plattenböden bzw. weiß versiegeltes Eichenparkett in Kombination mit Lignatur-Holzdecken, die mit farblosem Lichtschutz behandelt wurden, für eine wohnliche Atmosphäre.

Bis ins Detail planten die Architekten das homogene Erscheinungsbild des Mehrfamilienhauses in punkto Materialität: So gehen die Deckenelemente scheinbar nahtlos vom Innen- in den überdachten Außenraum über - nur eines von zahlreichen Details, die dem Gebäude seine konsequente Präzision verleihen.

Adresse
Kräzernstraße 117/119
CH-9014 St. Gallen

Bauherrin
SIDRONA Immobilien AG, St. Gallen

Architekten
Forrer Stieger Architekten AG
Feldlistrasse 31
CH-9000 St. Gallen
www.forrerstieger.ch

Bauausführung
Blumer-Lehmann AG
Erlenhof
CH-9200 Gossau
www.blumer-lehmann.ch

Baujahr
Oktober 2016

Fotograf
Till Forrer/Lignatur

Gebäudeart
Wohnungsbau

Bauweise
Sockelgeschoss: Stahlbeton
4 Obergeschosse: Holzbauweise

Objektdaten
28 Wohnungen
243 Tonnen eingesetztes Holz

Konstruktion
Holzelementbau mit Lignatur-Deckenelementen

Energiekonzept
Das Mehrfamilienhaus verfolgt den Ansatz ZeroEmission-LowEx, d.h. bei der Planung von Heizung und Haustechnik wurde darauf geachtet, den Energieverbrauch maximal zu reduzieren und möglichst keine CO2-Emissionen zu verursachen. Die Haustechnik verzichtet vollständig auf fossile Energieträger und minimiert den Primärenergieverbrauch.

Besonderheiten
Der Holzelementbau ist eines der ersten Gebäude in der Schweiz, das nach dem neuen Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz SNBS realisiert wurde.

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